Cannabis: Zahlreiche Versuche in der Schweiz und bevorstehende nationale Debatte

20. Oktober 2025

Bern (awp/sda) – Neben Zürich testen mehrere Städte und Kantone seit zwei Jahren den regulierten Verkauf von Cannabis. Doch es gibt auch Widerstand und Vorbehalte, wie etwa im Wallis. Ein Überblick.

Im Wallis sind Pilotprojekte seit mehreren Jahren im Gespräch. Laut einer Anfang 2025 von der HES-SO und dem Link-Institut durchgeführten Umfrage befürworten 64 % der Bevölkerung die Legalisierung. Doch die Signale seitens der Behörden sind nicht positiv.

Im vergangenen Juli sprachen sich Staatsrat Stéphane Ganzer und Polizeikommandant Christian Varone gegen die Legalisierung von Cannabis und gegen einen Pilotversuch aus. Auf gesetzgeberischer Ebene wurde in der Septembersession eine von Befürwortern einer Öffnung eingereichte dringliche Interpellation sowie ein Postulat diskutiert, das schließlich abgelehnt wurde.

In Genf wurde im Dezember 2023 in Vernier der Pilotversuch „La Cannabinothèque“ gestartet, der vom Verein ChanGE durchgeführt wird. Laut Martine Baudin, Koordinatorin des Projekts, hatten sich bis zum vergangenen Juli 1.475 Personen für die 1.500 verfügbaren Plätze angemeldet.

„Wir haben von der Mehrheit der Teilnehmenden hervorragende Rückmeldungen zur Qualität der Produkte sowie zu den Präventions- und Gesundheitsförderungsangeboten erhalten“, präzisiert sie. Das Pilotprojekt ermöglichte es zudem, viel „Reflexionsmaterial“ zu sammeln, das im Falle einer bundesweiten Regelung nützlich sein wird.

Im Kanton Waadt umfasst das vor fast zwei Jahren in Lausanne gestartete Projekt „Cann-L“ rund 1.200 Teilnehmende. Die Stadt schätzt, dass durch dieses Experiment jährlich etwa eine Million Franken dem illegalen Markt entzogen wird. Die ersten Bilanzen werden als „positiv und ermutigend im Hinblick auf die Schadensminderung“ bewertet. Ein neuer Bericht wird für Dezember erwartet.

Im Kanton Zürich nehmen seit Mai 2024 parallel zur städtischen Studie „Züri Can“ mehrere tausend Personen am schweizweit größten Projekt dieser Art teil: Es wird von der Firma Swiss Cannabis Research in Zusammenarbeit mit einer unabhängigen Gruppe der Universität Zürich und der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich durchgeführt und ist auf fünf Jahre angelegt. Mehr oder weniger fortgeschrittene Anfragen zur Teilnahme an diesem Projekt gibt es insbesondere in den Kantonen Graubünden und St. Gallen.

Ersten Erkenntnissen zufolge fragen die Teilnehmenden vor allem Produkte mit niedrigem THC-Gehalt (5 bis 9 %) nach. Cannabis wird in all seinen Formen angeboten, garantiert „frei von Pestiziden und Zusatzstoffen“.

Große Städte zeigen sich aufgeschlossen

Basel-Stadt wiederum ebnete bereits im Januar 2023 mit seinem Projekt „Weed Care“ den Weg. Laut einer im März veröffentlichten Zwischenauswertung stellten die 300 Teilnehmenden eine Verbesserung ihres psychischen Wohlbefindens und eine Verringerung der konsumbedingten Risiken fest.

Die Städte Bern, Biel und Luzern nehmen ihrerseits an der Studie „Script“ teil, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligt und im Herbst 2023 gestartet wurde. Rund tausend Teilnehmende ab 18 Jahren, die bereits zuvor Hanf konsumierten, können dort in zugelassenen Apotheken eigens für die Forschung produziertes Cannabis kaufen.

Auf gesetzgeberischer Ebene könnte die Schweiz auf Bundesebene den Cannabiskonsum zu nicht-medizinischen Zwecken für Erwachsene legalisieren. Die Gesundheitskommission des Nationalrats hat im vergangenen August einen entsprechenden Entwurf in die Vernehmlassung geschickt.

Das Projekt sieht eine strikte Regelung von Produktion, Verkauf und Werbung vor. Der Konsum soll nicht gefördert werden, und der Verkauf soll ausschließlich nicht gewinnorientiert erfolgen sowie einer Lenkungsabgabe unterliegen, die den Fokus auf weniger schädliche Produkte richtet. Im Straßenverkehr würde weiterhin die Nulltoleranz gelten. Für die kommenden Monate zeichnen sich hitzige Debatten ab.

sda/al

Quelle: https://www.vermoegenszentrum.ch

https://solidseeds.es/blog/

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